Von der Robustheit zur Resilienz

In dem aktuellen Diskussionspapier des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) wird hervorgehoben, dass die bisherige Robustheit deutscher Energienetze mit der fortschreitenden Digitalisierung und Vernetzung nicht mehr ausreichen wird, sondern eine spezifische Resilienz von Nöten sein wird. Das bedeutet, dass die vorwiegend physisch denkende Herangehensweise nicht mehr ausreicht, sondern die zukünftigen Energienetze dazu fähig sein müssen sich selbstständig aus einem Blackout wieder aufzubauen, bzw. so agil und intelligent agieren müssen, dass es erst gar nicht zu einem Ausfall kommen kann.

Der Bundesverband definiert Resilienz im Diskussionspapier folgendermaßen: „Resilienz geht über die Eigenschaft der Robustheit hinaus. Man bezeichnet ein System als resilient, wenn seine Funktionsfähigkeit bei Störungen nur wenig beeinträchtigt wird, es zu keinen größeren Schäden kommt und nach der Störung so schnell wie möglich wieder die volle Leistung zur Verfügung steht.“
Das bisherige Redundanzprinzip reicht aus Sicht des Bitkom aus drei Gründen nicht mehr aus: Erstens, kann die immense und stetig steigende Zahl an dezentraler Erzeugung aufgrund der Energiewende gar nicht mehr redundant angebunden werden. Zweitens erhöht die Sektorenkopplung immer weiter die Anzahl neuer Verbraucher. Diese beiden Faktoren bedingen wiederum drittens die notwendige Digitalisierung und Vernetzung aller Standorte zur optimalen, schnellen und flexiblen Steuerung und Prognose.

Die Informations- und Kommunikationstechnologie kann für solch ein resilientes System sorgen, indem sie besser vor Angriffen geschützt wird, mittels organisatorischen, personellen oder technischen Maßnahmen. Gleichzeitig sorgt diese Herangehensweise für eine frühzeitige Erkennung von Störungen, kann Reaktionen darauf automatisch einleiten und somit selbstständige Systemdienstleistungen ermöglichen. Bis das deutsche Energienetz diese Resilienz aufweist, sind nach Meinung des Bitkom aber noch einige organisatorische und technische Anpassungen nötig. Lohnen würde sich dieser Aufwand nicht nur für ein weiterhin höchst zuverlässiges Energienetz sondern auch für die zahlreichen Chancen und Anwendungsmöglichkeiten der Digitalisierung.
Zukünftig könnte es möglich sein, dass sich kleine regionale Störungen durch die automatisierten Abläufe selbst regulieren und ohne menschliche Eingriffe in einer kürzeren Reaktionszeit ablaufen. Ebenso werden proaktive Handlungen an Bedeutung und Häufigkeit gewinnen, sodass Angriffe erkannt und verhindert werden können bevor sie sich auswirken. Die zahlreichen Möglichkeiten der Datenanalyse können eine hohe Optimierung ermöglichen und sowohl Aufwände als auch Kosten senken.

Fazit des Bitkom ist, dass Digitalisierung und Cybersecurity Hand in Hand gehen müssen. Deshalb hebt der Bundesverband nochmals die Wichtigkeit eines Informationssicherheitsmanagementsystems hervor. Die Cybersicherheit kann nur gewährleistet werden durch kontinuierlich geprüfte und aktualisierte Sicherheitsmaßnahmen, die nicht nur Sicherheitsdefizite aufdecken, sondern auch das Potenzial neuer technologischer Entwicklungen nutzen. Resilienz für den sicheren Netzbetrieb kommt eine hohe Bedeutung zu und die Informations- und Kommunikationstechnologie spielt dabei eine Schlüsselrolle.
Bei allen Vorteilen und potentiellen Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologie für die Resilienz muss dennoch festgehalten werden, dass es noch viele offene Fragen gibt und die Weiterentwicklung, Forschung und Regulation noch nicht alle beantworten kann.

Für mehr Informationen besuchen Sie das Diskussionspapier des Bitkom.